STADTRAND

Baubeschau

Stadtleben | aus FALTER 30/05 vom 27.07.2005

Was finden Menschen, die nicht gerade erst dabei sind, sprechen zu lernen und deren Lieblingswort "Bagger" lautet, eigentlich an Baustellen so spannend? Was ist so lustig, stundenlang das Treiben in und um Baugruben zu beobachten? Wahnsinnig gut aussehende Bauhackler mit nackten Oberkörpern gibt's, erstens eh nur in Werbespots, zweitens setzt jeder halbwegs vernünftige Mensch seinen nackten Oberkörper nicht mehr den bösen UV-Strahlen der Sonne aus. Anbaggern und Fleischbeschau scheiden also schon mal aus. Und trotzdem verbringen manche Leute Stunden am Künettenrand, Tageszeitungen wählen die schönste Baugrube Wiens, jeder Auf- und Abbau der Fly-over-Anlage ist den Medien eine Meldung wert, und in den Anfangstagen vom Privat-TV gab's sogar Lifeberichterstattung von den spannendsten Baustellen der Stadt, ehrlich! Baustellen sind doch einfach nur ein großes Ärgernis. Sie sind laut, führen zu Staus, komplizierten Umleitungen und machen die Luft staubig. Vielleicht ist es ja gerade das, was die Leute sehen wollen: wie arg es tatsächlich ist, so baustellentechnisch. C. W.


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