PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Über Politik

Stadtleben | aus FALTER 30/05 vom 27.07.2005

... kauft ohne Geld, kauft Wein und

Milch ohne Bezahlung! ...

Jes. 55,1-3 (1. Lesung am 18. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres A)

Sie müssen sich das so vorstellen, Habibys und Duhsubys: Da wohnen sieben Millionen und hier, im dritten Stock, wohn ich ganz allein. Da beginnen Sie natürlich vor sich selber nichts mehr zu gelten und beginnen natürlich noch verzweifelter, alleine zu wohnen, verkriechen sich, damit nur ja niemand eindringen kann. Gleichzeitig aber leben Sie einen Traum, sozial zu sein, intensiv sozial gesonnen zu sein, wie niemals zuvor je es jemand gelang. D.h., Sie hängen an den Lippen des sozialdemokratischen Vorsitzenden, wie noch niemals zuvor jemand an seinen Lippen hing.

  Es waren ja die sozialdemokratischen Kanzler vor Schüssel so schrecklich, und dann haben sie uns in die Donnerstagsdemos geschickt. Wir waren wirklich in Panik, diese unbeschreiblich schwarz-blaue Regierung zu haben, und dann koalierten in Oberösterreich die Grünen mit den Schwarzen, und der Gusenbauer ging mit dem Haider leibhaftig Spargel essen und diese unbeschreiblichen Ausländerfeinde in Traiskirchen trieben den Gusi so weit, dass er dem neuen Asylgesetz zugestimmt hat.

  Ich aber träume davon, dass es einen Brain Trust der Sozialdemokratie gibt, wo nachgedacht wird, wie es ginge, aber eine Partei will real an die Macht. Es mag durchaus sein, dass sie, in ihr versteckt, das Edlere herbeiführen will, als alle anderen Parteien es könnten und können, aber ich in meiner Verstecktheit ertappe mich dann schon dabei, dass lieber die Linken nicht regieren, sondern Widerstand leisten. Die Bürgerlichen sollen regieren, und die Linken sollen so viel Angst und Schrecken verbreiten, dass die sich nicht trauen. Eine mächtige Linke zieht ihre Register, aber nun weiß ich nicht mehr, ist es Traiskirchen oder ist es die Linke. Und ich habe schon zweimal Alfred Gusenbauer in der Stadt herumgehen sehen, allein, und immer am Telefon. Es könnte das Volk mit ihm reden. Und währenddessen erzieht Haiderflüsterer Stronach sein Kärntner Pferd. Mich lässt er unerziehbar im dritten Stock sitzen.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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