Das Waldemar-Massaker

Stadtleben | TEX RUBINOWITZ | aus FALTER 30/05 vom 27.07.2005

SOMMERSERIE "Rubinowien" ist wieder da! In Folge eins geht's um einen Park in Mariahilf, den es gerade gar nicht mehr gibt. 

Wenn man aus den zwei herrlichsten Städten, die auf dem Globus befestigt wurden, also Helsinki und Tokio, wieder zurück nach Wien kommt, fällt einem regelmäßig auf, wie abnorm dreckig, ungelüftet und geschmacklos möbliert die Stadt ist, Stichwort Haas-Haus. Stichwort aber auch die schleichende Grosnyfizierung des sechsten Bezirks. Der muffige Schlaf- und Ausspeisungskomplex Kolpinghaus in der Gumpendorfer Straße wurde komplett weggebombt. Aber der größere Skandal ist, dass die Stadt eine kulturell wichtige und zu literarischen Ehren gekommene Attraktion verliert: den Richard-Waldemar-Park bei der Hofmühlgasse. Ehe man sich's versah, ist er vom Erdboden weggefräst worden, momentan schabt man sich in Sedimente vor, die noch kein Mensch je zuvor gesehen hat, zurzeit ist man in eine Schicht hellgrauer Tonerde vorgedrungen. Was in dieses Loch kommt, ist noch

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