VOM GRILL

Wider Wappler

Steiermark Stadtleben | aus FALTER 30/05 vom 27.07.2005

Den romantischen Brauch, mitternachts Zäune von Badeanstalten zu bezwingen und nebst geliebtem Wesen nackt ein übermütig Bad zu nehmen, wollen die Grazer Plantschwasserkapitalisten eiskalt liquidieren. So was sei, gackern sie, Einbruch.

  Ihr Wappler mit chlorierter Seele, dafür komm ich euch alsbald in eure Becken pinkeln. Vom Dreimeterbrett. Zwar erlangen die Nixen und Faune im Mondenschein ungeladen, ungebeten und unentgeltlich Genüsse, doch nehmen sie keinem was weg. Der Schaden bleibt abstrakt. Ich bin bei Moral als heikel verschrien und lehre die Kinder und die Welt beharrlich: Diebstahl - nein! Schwarzfahren z.B. hingegen - nnna ja ... Die Bahn fährt ja eh, oder? Ehe dazu statistisch-juridisch-ethische Statements kommen, beichte ich lieber:

  Den jüngsten Einbruch beging ich in der Oper. Vom Stehplatz, schwups!, in die Hochpreiszone des Parketts. Ich zog mir, als die Wärterin in ihrer Kleiderschürze abzog, die Schuhe aus, flankte mit lipizzanesker Grandezza über die bekanntlich hohe Absperrung und nahm in Socken zwischen reichen Leuten Platz. So saß ich schöne Stunden lang.

  Ja, ich habe Angst, dass mich raffgierige Wappler der Oper einmal erwischen. Für so elegante Turner heißt die Strafe für den Raub der Differenz zwischen stehendem und sitzendem Musikgenuss vermutlich: drei Jahre Ballett, unbedingt.


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