VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 31/05 vom 03.08.2005

Ich bin froh, dass mir nicht eine genau die Zeitenfolge beobachtende Leserschaft im Genick sitzt. Die würde mich jetzt am Ohr ziehen und rufen: Geschwindelt!, denn ich habe vorgeblättert, bzw. ich blättere nun zurück, weil ich beinahe übersehen hätte, dass vor zwanzig Jahren der Falter einen dicken Preis erhielt (es war übrigens nicht sein erster, ich glaube, der Renner-Nachwuchspreis kam vorher). Immer erhielten wir diese Preise als Kollektiv, denn es gab anno 1985 zwar bereits - als Ergebnis eines nicht unkomplizierten Prozesses - "Sprecher der Arbeitsgruppen", aber keinen Chefredakteur. Im Impressum las man dazu: "Die Sprecher der Arbeitsgruppen (kursiv) sind vom Plenum auf Zeit bestimmt." Jö, schau, der Sprecher war ja ich! Aber davon will ich nicht berichten, sondern vom Gatterer-Preis, wenngleich ich sagen muss, dass der Bericht darüber in einem gewissen feierlichen Tonfall abgefasst war, wie man ihn im Falter nicht jeden Tag lesen konnte.

  "Der Jury gehörten Wolf In der Maur, Thomas Chorherr, Alfred Payrleitner, Sigrid Löffler, Toni Spira und Kurt Langbein an", und diese Jury zitierte aus den Kriterien für die Preiszuerkennung: "Im Hinblick auf die nivellierenden Gesamttendenzen der modernen Medienlandschaft ist die kritische und eigenständige Haltung der Kandidaten an ihrem gesamten bisherigen Verhalten zu messen, wenn auch eine besondere journalistische Leistung die Maßgabe für die Nominierung sein sollte." Diesen und anderen journalistischen Intentionen Gatterers sei die Falter-Redaktion am nächsten gekommen, meinte die Jury. Wir wiederum wiesen darauf hin, dass in dieser Zeitschrift das letzte Interview mit Claus Gatterer erschienen sei (vgl. diese Rubrik vom 3.3.2004) und dass wir uns Gatterer auch verwandt fühlten, weil "die liberale, republikanische Haltung des Journalisten Gatterers ihn zu einer in Österreich so singulären Figur" machte. A. T.


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