WAS WAR/KOMMT/FEHLT

Politik | aus FALTER 31/05 vom 03.08.2005

WAS WAR

Bankräuber am Pranger? "Es siacht di eh keiner. Scheiß di net an": Wie eine Trophäe präsentierten Polizisten vergangene Woche einen mutmaßlichen Bankräuber den Medien. Wie in Puls TV zu sehen, zogen sie dem Mann noch einmal seine Maske über und brachten ihn zurück zum Tatort, wo Fotografen und Kameraleute warteten. "Auffe mitm Schädel", befahl ein Beamter, als die Objektive draufhielten. Man habe den Mann nicht wegen der Medien vorgeführt, rechtfertigt ein Polizeisprecher den Auftritt: "Das war eine ganz normale Gegenüberstellung mit Augenzeugen."

WAS KOMMT

Neue Rechtschreibung Nach siebenjähriger Übergangsfrist trat mit 1. August die Rechtschreibreform endgültig in Kraft. Die neuen Regeln gelten verbindlich für Schulen und Ämter - Bescheide mit orthografischen Fehlern sind deshalb aber nicht ungültig. Herzstück der Reform ist die Zurückdrängung des scharfen "ß". Der Spezialbuchstabe kommt nur mehr nach einem langen Vokal ("Maß", "Fuß") vor. Toleriert werden vorerst Verstöße gegen die Vorschriften zu Getrennt- und Zusammenschreibung, zur Silbensetzung und zur Zeichensetzung. Eines bleibt aber beim Alten: Wer nicht etwas im Auftrag des Staates zu Papier bringt, darf sowieso schreiben, wie er will.

WAS FEHLT

Sorgfältige Gesetze Die Verfassungsrichter ärgern sich wieder einmal über die Regierung, nicht nur, weil sie im Vorjahr 49 von 72 geprüften Gesetzen zumindest teilweise aufheben mussten. Der Kanzler und die Minister würden Erkenntnisse des Gerichtshofes erst nach monatelangen Verzögerungen kundmachen, so die Kritik. Dies sei "überaus bedenklich", da längst aufgehobene Bestimmungen weiterhin exekutiert würden. Außerdem bemängeln die Richter die schlechte Qualität der Gesetzestexte, "deren Sinnermittlung nicht zuletzt deshalb schwierig ist, weil in den anzuwendenden Rechtstexten die Regeln der Grammatik und sonstige Prinzipien der deutschen Sprache gröblich missachtet werden".


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