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Auftrag Afghanistan

Politik | aus FALTER 31/05 vom 03.08.2005

Erinnern Sie sich noch an Afghanistan? Das ist jenes Land, das die USA im Herbst 2001 erobert hatten, ehe sie sich wieder ihrem Lieblingsfeind Saddam Hussein widmeten. Zumindest die Österreicher werden jetzt wieder ein bisschen mehr von diesem fast vergessenen Bürgerkriegsstaat mitkriegen. Das Bundesheer schickt 93 Soldaten nach Afghanistan, um sichere Wahlen im Herbst zu garantieren - ein sinnvoller Beitrag zur Terrorbekämpfung. Denn Staaten mit schwachen Institutionen drohen von terroristischen Gruppen, in diesem Fall von El Kaida und den Taliban, übernommen zu werden. Und Afghanistan ist alles andere als stabil. Die Regierung kann nicht im ganzen Land die Ordnung aufrechterhalten, die Justiz ist korrupt. Bewaffnete Banden ermorden Soldaten, Helfer und Zivilisten. US-Truppen reagieren mit willkürlichen Verhaftungen, Amnesty International registriert Berichte von Folterungen. Die demokratische Verfassung kann darüber nicht hinwegtäuschen: Afghanistan ist alles andere als ein Rechtsstaat. Höchste Zeit, dass sich die westliche Welt an ihr Versprechen erinnert, im ehemaligen Reich der Taliban Wohlstand und Sicherheit zu fördern. Weil die USA "nation building" traditionell skeptisch gegenüberstehen, könnten die europäischen Staaten dabei eine größere Rolle als bisher spielen - auch kleine Länder wie Österreich. G. J.


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