KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 31/05 vom 03.08.2005

Wenn in letzter Zeit oft von einer Konjunktur der Romantik die Rede ist, dann werden damit unterschiedlichste Dinge bezeichnet - von Kitsch bis Utopismus. Ein Gesicht der romantischen Kunst ist die Betonung des Subjektiven, das Augenmerk auf die ganz persönlichen Gedanken und Fantasien fernab gesellschaftlicher Realitäten. Die Ausstellung "The n0-Project" in der Galerie Andreas Huber (bis 10.9.) geht in diese Richtung. Für die Schau haben die Künstler Günter Puller, Andrea Pesendorfer, Heimo Lattner, die Kuratorin Jeanette Pacher und der Musiker Wolfgang Kopper den Chatroom zu ihrem Treffpunkt gemacht. Die über Mexiko, New York, Berlin und Linz verstreuten Beteiligten verabredeten sich zwei Jahre lang regelmäßig im Netz und betrieben dort Brainstorming für ein zunächst undefiniertes Gruppenprojekt. In der Ausstellung aufgehängte Ausdrucke dieser Internetkonversationen zeigen, wie die Ideen im Chat nur so sprudelten.

  Das eigentliche Ergebnis aber sind inszenierte Fotografien. Die "Cyberboheme" (Lattner) erscheint auf diesen in unterschiedlichen Arrangements: Mal wirkt die Szenerie wie surrealistisches Straßentheater, dann wieder wie ein Filmset, auf dem die Schauspieler auf das Fallen der Klappe warten. Laut Begleittext handelt es sich bei den Fotos um Standbilder eines unrealisierten Films. Aber auch wenn künstliches Blut fließt, gibt es bei diesen gestellten Gruppenaufnahmen nur selten einen dramatischen Effekt, der einen hineinziehen würde. Der prozessorientierten Entstehungsgeschichte widerspricht die aufwendige Machart der auf Alu kaschierten Bilder. Und warum taucht eigentlich der Galerist ständig als Teil der Gruppe auf? Die verschiedenen Rollen und die Hierarchien im Kunstbetrieb werden ignoriert, nur das Individuum zählt. Auch der von den Künstlern betonte Wandel der Kommunikationsformen im Cyberspace findet in den konventionellen Bildern keinen Widerhall. Kunst ist Freiraum, wir machen, was uns gefällt - so die dürftige Botschaft.


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