NÜCHTERN BETRACHTET

Anarchie auf Rädern

Kultur | aus FALTER 31/05 vom 03.08.2005

Gemüter, die gerne als kregel gelten und den Eindruck politischer Aufgewecktheit verbreiten möchten, haben sich auf die Ansicht geeinigt, dass hierzulande ein flagranter, bis in die Ritzen alltäglicher Verrichtungen dringender Mangel an anarchistischer Aufmüpfigkeit herrsche. Als triftiger Beleg für diese These wird die in Österreich weitverbreitete Bereitschaft angeführt, sich von Staatsdienern, Servierpersonal und Sexualpartnern gängeln und karniefeln zu lassen. Das mag alles zutreffen (ich habe mit den genannten Gruppen so gut wie nie zu tun), bedarf allerdings einer kleinen Ergänzung, die im Sinne sozialpsychologischer Akkuratesse nicht vernachlässigt werden sollte. Es gibt nämlich einen Sektor, auf dem die Anarchie gleichsam den offiziellen Betriebsmodus darstellt. Ich spreche vom Radfahren. Das Bonmot, dass in Österreich alles verboten sei, was nicht ausdrücklich erlaubt ist, geht hier völlig ins Leere. Den Radfahrern ist alles erlaubt, was eigentlich verboten ist -


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