Herr Alfred und die Geister

Stadtleben | WOLFGANG PATERNO | aus FALTER 31/05 vom 03.08.2005

KAFFEEHAUS Ein Vierteljahrhundert lang war Alfred Smetana nur der Herr Alfred. Der ehemalige Kellner hat nun ein Buch über seine Jahre im Café Eiles geschrieben, das einen Blick hinter die Kulissen des Welttheaters Kaffeehaus wirft. Porträt eines verwegenen Maîtres. 

Mit 61 wurde Herr Alfred von einer Heidenangst gepackt. Herr Alfred, geboren am 19. Dezember 1939 und Ruheständler mit dem 20. Dezember 2000, wollte um keinen Preis in die Grube fahren, ohne Einmaliges geleistet zu haben. Überhaupt, das Sterben: Freunde und Verwandte wurden damals jäh aus dem Leben gerissen. Herr Alfred, verunsichert, wollte sein Leben keinesfalls wie jene alten Leute zu Ende bringen, die ihre Tage bei Kaffee und Kuchen ausklingen lassen.

  Er wollte aufs Ganze gehen. "Ich wollte immer schon ein Buch schreiben", sagt er. Buch. Da ist er, der wichtigste Begriff im Leben des Herrn Alfred. Er sagt "Buuch", weiches B, langes U, samtene Stimme. Nachträglich erhält so auch eine harmlose Plauderei Sinn.


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