Das staubige Tier

Stadtleben | TEX RUBINOWITZ | aus FALTER 31/05 vom 03.08.2005

SOMMERSERIE Diese Woche geht es um ein Tier mit hundert oder 120 Beinen, das in der Karlsplatzpassage haust. 

Vergangene Woche wurde an dieser Stelle die aktuellere städtebauliche Verwüstung Wiens angesprochen. Als Paradebeispiel hierfür gilt zweifelsfrei ein Konstrukt planlosen Amoklaufs eines nihilistischen Tiefbauingenieurs, für das sich nur ganz schwer das Label Architektur missbrauchen lässt. Hier ist weder ein erkennbares Interesse an Form noch eines an Funktionalismus spürbar. Ich spreche von dem volkstümlich sogenannten "Opern-Mastdarm". Gemeint ist die unterirdische Passage zwischen Oper und Karlsplatz. Wer hier geplant und gebaut hat, muss das in einem Zustand schwerer seelischer Zerrüttung infolge jahrelang unterdrückter sadistisch gefärbter Misanthropie erledigt haben. Anders ist es nicht zu erklären, wie dieses nichtkommunizierende Röhrensystem entstehen konnte. Auch in zwanzig Jahren mehr oder weniger regelmäßiger Inanspruchnahme dieser Einrichtung fällt es


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