BILDERBUCH

Kultur | aus FALTER 32/05 vom 10.08.2005

Im Schlafzimmer für seine Frau Lina zeigt sich der strenge Adolf Loos von seiner weichen Seite (siehe Bild). Ein loses Tuch verkleidet die Wände. Ein flauschiger Teppich zieht sich über den Boden bis zur Matratze hoch. Das Bett selbst steht wie ein Altar in der Mitte des Raums. Es ist kein typisches Beispiel für die Architektur dieses Wiener Ahnherren des Funktionalismus. Oder doch? Der dänische Kunsthistoriker Anders V. Munch stellt Loos' Werk in den Zusammenhang der zeitgenössischen Stildiskussion und kommt zu dem Schluss, dass sein Werk weniger dem abstrakten Formenkanon des Modernismus verbunden sei als einer romantischen, weit in das 19. Jahrhundert zurückreichenden Kulturkritik. Gequält vom historistischen Stiljahrhundert, lehnte er jede stilistische Orthodoxie ab. Manchmal wollte er einfach nur kuscheln.

Anders V. Munch: Der stillose Stil. Adolf Loos. Aus dem Dänischen von Heinz Kulas. München 2005 (Wilhelm Fink). 260 S., E 41,10 / M. D.


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