STANDPUNKT

Videotie?

Politik | aus FALTER 32/05 vom 10.08.2005

Jetzt gibt es also auch in Wiens U-Bahnen Kameras. Und die Polizei wird nicht nur den Schwedenplatz, sondern auch den Karlsplatz mit Video sichern. Die Überwachungsmaßnahmen wurden im Schatten des Londoner Terrors durchgezogen. Sind sie wirklich so gefährlich, wie uns Datenschützer erklären? Der Verfassungsexperte Alfred Noll kritisierte vergangene Woche im Falter die "Videotie" und stellte fest, dass Terroristen ihre Anschläge wohl nicht vor den Kameras ausführen würden. Das ist leider falsch. Sowohl nach 9/11 als auch nach der Terrorserie in London konnten die Täter dank Videokameras zwar nicht von den Anschlägen abgehalten, aber ziemlich schnell ausgeforscht werden. Auch Hintermänner konnten dank Rufdatenrückerfassung schnell identifiziert werden. Die Kameras in Wien werden freilich nicht gegen Terroristen eingesetzt, sondern gegen kleine Strolche, vor denen sich manche (vor allem ältere und weibliche) Wiener tatsächlich fürchten. Wer in der U-Bahn bestohlen wird, kann sich also künftig Videos aus dem Zug anschauen. Wird das Wien sicherer machen? Nein. Ist das Big Brother? Auch nein. Denn überwacht werden öffentliche Räume und keine Privatgemächer. Google ist viel gefährlicher fürs Privatleben. Datenschützer sollten sich daher nicht gegen Überwachung per se stellen, sondern darauf drängen, dass die Kontrolle der Überwacher ausgebaut wird. F. K.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige