OHREN AUF! Ostmoderne

Kultur | CARSTEN FASTNER | aus FALTER 32/05 vom 10.08.2005

Vehement pocht Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) auf einen hellen Es-Dur-Akkord, Dutzende Male wiederholt er ihn und umspielt ihn mit einem einfachen Thema, das er innerhalb weniger Takte aus unbekümmerter Verspieltheit in beinahe grimmige Intensität getrieben hat: Ein erstes, trotziges Aufbäumen in seiner 2. Klaviersonate, dem ein einsamer Klagegesang und ein karg konzentriertes Finale folgen. Keine klassische Dialektik, keine romantische große Geste - diese 1942 während der Belagerung Leningrads entstandene Sonate ist ein verzweifeltes "Dennoch" ohne Pathos.

Der Pianist Alexei Lubimov verleiht ihr auf "Messe Noire" (ECM/Lotus) eine unerhört dringliche Präsenz, und das gilt auch für den Rest des zeitlich eng gefassten Programms zur russischen Moderne der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Inhaltlich freilich bietet es breite Vielfalt. Die nur vermeintlich harmlosen Spielchen in der neoklassischen "Serenade in A" des Exilanten Strawinsky (1925), die nicht nur rhythmische Querständigkeit


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