Abwässer auf Abwegen

Kultur | KLAUS KASTBERGER | aus FALTER 32/05 vom 10.08.2005

LITERATUR Mit seinem Umweltkrimi "Schweres Beben" leuchtet Jonathan Franzen das Mittelstandsamerika bis in den letzten Winkel aus. 

Es ist ein leichtes Beben, mit dem Jonathan Franzens Roman "Schweres Beben" beginnt. Immerhin reichen die paar Erdstöße, um gleich einmal Rita Kernaghan ins Jenseits zu befördern. Kernaghan hat es in ihren letzten Lebensjahren mit einigen New-Age-Büchern, darunter dem erfolgreichen Titel "Das Leben beginnt erst mit 60", zu einiger Berühmtheit gebracht. Zu lokaler Größe stieg sie auf, als sie - zum Entsetzen der Nachbarn - auf ihr kleines Häuschen in dem Ort Ipswich eine Pyramide bauen ließ und es in weiterer Folge verstand, dieses völlig unproportionale Ding gegen alle Einwendungen zu verteidigen.

  Es ist die Gegend um Boston, und es ist das gegenwärtige Amerika eines seltsam bedrohten weißen Mittelstandes, das Jonathan Franzen bis in die letzten Verästelungen hinein beschreibt, wobei die dort allgegenwärtige rigide Moral so gar nicht zu den


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