NÜCHTERN BETRACHTET

Es geht auch ohne Herrenstange

Kultur | aus FALTER 32/05 vom 10.08.2005

Jahrzehntelang habe ich eine Mentalreservation gegenüber dem Radfahren mit mir herumgeschleppt. Hauptverantwortlich dafür waren: 1. die eher unsuprige Idee, die einstündigen Mittagspausen während meiner Ferialjobs in der Brauerei Zipf (ca. 1977 ff.) zu nützen, um mit einem 3-Gang-Rad den Berg zum mütterlichen Mittagstisch hochzustrampeln; 2. die definitiv unsuprige Idee, sich im Kontext eines anderen Ferialjobs Mitte der Achtzigerjahre nach beendeter Nachtschicht in der Brotfabrik mit dem Fahrrad vormittags im normalen Wiener Straßenverkehr zu bewegen; 3. nach unten gekrümmte Fahrradlenker, jegliche Fahrradkleidung, alle Fahrradfanatiker. Was mich mittlerweile doch etwas milder auf diesen Themenkomplex blicken lässt, ist der Fortschritt. Wie skeptisch man ihm auch generell begegnen mag, in Sachen Fahrradfahren lässt sich der Fortschritt nur von Menschen leugnen, die entschieden ein Rad abhaben. Die linke und die rechte Wade des Fortschritts heißen: Fahrradwegausbau und Gangmultiplikation.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige