STADTRAND

Urlaubserlebnisse

Stadtleben | aus FALTER 32/05 vom 10.08.2005

Die höchst betagte Frau muss der Tourismusverband geschickt haben. Zittrig, klapprig und etwas schwach auf den Beinen ließ sie sich von einem Touristenpaar über die Straße helfen, das ihr Gemurmel scheinbar nur zur Hälfte verstand. Das dauerte sicher fünf Minuten oder länger. Auf der anderen Straßenseite angekommen, bat die Steinalte ihre Helfer aus der Fremde, sie doch, bitte schön, noch bis zur nächsten Straßenecke zu befördern, sie sei nicht ganz sicher zu Fuß. So wie die Dame beieinander war, ging dafür schätzungsweise nochmal ein halber Tag drauf. So müssen Stadterlebnisse für Touristen ausschauen: einen Tag lang betagte Einheimische durch die Gegend schleifen, die sich als Gegenleistung dann auf einen Kaffee einladen lassen und den Leuten kuriose Gschichtln drucken. Dazu bessern die Leute vom Tourismusverband einem noch die Pension auf - eine spannende Perspektive fürs Alter. Apropos, Wien-Tourismus: Gibt's eigentlich jetzt schon ein kleines Honorar fürs Nettsein zu Besuchern, fürs Auf-dem-Stadtplan-zeigen, wo sie sich befinden und Fürs-Hinweise-Geben, wo's das beste Schnitzel gibt? C. W.


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