Fragen Sie Frau Andrea

AEIOU

Stadtleben | aus FALTER 32/05 vom 10.08.2005

Liebe Frau Andrea!

Als eifriger Leser stoße ich in älteren Texten auf das seltsame Wort GOtt, manchmal auch auf den HErrn. Dabei will ich jetzt gar nicht wissen, ob Gott nun männlich oder weiblich ist, sondern warum da der erste und der zweite Buchstabe groß geschrieben werden. Es muss einmal jemand damit angefangen haben und der hatte wohl einen Grund dafür. Wissen Sie da Genaueres, FRau ANdrea?

Mit freundlichen Grüßen,

Richard Latzin, Internet

Lieber Richard,

Versalien am Wortbeginn wurden ursprünglich zur Auszeichnung von Eigennamen und heiligen Wörtern verwendet. Zu Luthers Zeit einigte man sich auf die Verwendung großer Anfangsbuchstaben für Substantive. Das Barock mit seiner Liebe für kalligrafische Schriften fand großen Gefallen daran, Götter und GOtt, Herren und den HErrn in christlichen Texten dadurch voneinander zu unterscheiden, dass auch der zweite Buchstabe groß geschrieben wurde. Großbuchstaben in barocken Texten muss man sich als bis zur Unleserlichkeit ineinander verschlungene Frakturmonster vorstellen, weit entfernt von den klaren Strichen und Balken heutiger Buchstaben. Ein anderes Konzept der Verhüllung verfolgte die jüdische Schreibweise des "Ich bin, der ich bin" - das Konsonantenphonem JHWH - laut Clemens von Alexandrien "iaoue" ausgesprochen. IAOUE. Womit wir bei der tatsächlichen Deutung des Mottos von Habsburgerkaiser Friedrich III. wären. Sein AEIOU ist nichts weniger als das permutierte IAOUE.

dusl@falter.at


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