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Orte und Gaben

Steiermark Stadtleben | aus FALTER 32/05 vom 10.08.2005

Tramway: In der Extrakurve von der Sackstraße zur Murgasse hinüber brummelt der Fahrer mit quasi gestopfter Trompete: Blue moon ... Ich als Ohrenzeuge hinterher: ... I saw her standing alone. So schaukeln wir hin.

  Geschäft: Ich halte einem tätowierten Kerl beiläufig die Tür auf und überfordere ihn damit. Nach einem Schlagringschlag ins Gebiss wüßte er, was tun. Nun druckst er herum wie ein angeludeltes Dornröschen. Da kann ich ihm auch nicht helfen.

  Herrengasse: Die Fee schwebt vorüber, so schön, dass ich frage: "Schön, schön zu sein, ah?" Ihr sanftes Wispern: "Was'n sonst, du Trottel?"

  Türkenbeisel: Ein Mann bringt den 14-jährigen Sohn erstmals in die Runde der Männer mit. Jetzt gehört er dazu. Wie er sich über den Kaffee beugt, wird er gleich platzen, platzen im Sinn von weinen wie auch vor Stolz explodieren. Er entscheidet sich nicht und nimmt halt ein männliches Schlückchen.

  Schloßberg: "Da kuck ma bis nach Tunis?" - "Nur, wenn's ehrlich schön ist."

  Schanigarten: Ein steinalter Mann fragt in kariösem Deutsch, ob ich ihm da in die Gasse helfen wolle. Da sei er geboren und seit 1938 weg. Es geht um Nazi-Graz und Australien und Heute-Graz. Wir wackeln hinüber, er weint vor einer Fassade herum, er erinnert sich an nichts. Nachher trinken wir wieder, er lacht, und er steckt damit alle an. So geht Leben.


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