KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 33/05 vom 17.08.2005

Neonlicht ist untrennbar mit der Vorstellung von Urbanität und Moderne verbunden: Die verführerisch bunten Lichter der Großstadt, die uns in die Nacht locken. Die vielschichtige Ausstellung "Zentrum" von Dorit Margreiter, die gerade in der Kiesler Stiftung (bis 11.10.) zu sehen ist, kreist um ein solches Leuchtzeichen. Während eines Stipendiums in Leipzig erfuhr die Künstlerin von dem Sozialbau Brühl, der wegen seiner Herkunft aus DDR-Zeiten geschliffen werden soll. Mit ihrer Videoinstallation thematisiert Margreiter auf facettenreiche Weise, wie die gestalterischen Reformideen etwa des Bauhauses nach dem Zweiten Weltkrieg ihre politisch verbrämte Wiederaufnahme erlebten. Zu sehen ist der defekte Neonschriftzug "Brühl Zentrum" in typisch modernistischen Lettern, der in der Folge mit reflektierender Folie beklebt wird. Im zweiten Teil des Videos beleuchtet und filmt Margreiter nachts die erloschenen Leuchtstoffröhren. Dabei verwendet sie die Schwarz-Weiß-Funktion ihrer Digitalkamera und erinnert damit wiederum an die Filmexperimente der Zwanzigerjahre.

  Der umtriebige Christian Egger, Jahrgang 1976, hat früher in der Band Satellite Footprintshop gesungen, gibt mit Kollegen ein Kunstfanzine heraus und ist ein gerngesehener Autor in Medien wie springerin, spike oder skug. Angesichts dieser Produktivität erscheint die eigene Kunstproduktion nur als eine Aktivität von vielen. Dementsprechend beiläufig kommt auch die erste Ausstellung Eggers in der Galerie Grita Insam im Heiligenkreuzerhof (bis 26.8.) daher. Es geht wieder einmal um "Branding": Die Schau "In a manner of ..." versammelt rosa Kacheln, Badeschlapfen mit dem Schriftzug der Firma Manner und Videos, die das Manner-Taxi durch die Innenstadt verfolgen. Auch Kunst ist nichts anderes als Markenbildung - das gibt der Künstler mit einem Kanister zu verstehen, auf dem sein Name in der Typografie der Brauerei Egger steht.


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