PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Damit der Nachwuchs kämpfen kann

Stadtleben | aus FALTER 33/05 vom 17.08.2005

... Du bist Petrus - der Fels -, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen ...

Mt 16, 13-20 (Evangelium am 21. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres A)

Es ist eben Lehre, dass der Gott nicht auftritt im Leben der Menschen. Beinhart nicht. Felsern. Nachdem die Kirche das nicht ändern kann, hat sie es zu ihrer Lehre gemacht. Daraus folgt aber, dass gerade die Kirche, die die Barmherzigkeit und Milde propagiert, einen beinharten Gott verkündet. Denn wenn ein batzweicher Gott herumschisse ständig öffentlich am Firmament statt dem TV-Abendprogramm beispielsweise rührselig, wäre das Leben der Menschen vielleicht auch rührselig und barmherzig. Und natürlich auch witzig. Die Weltbevölkerung stünde und schaute hinauf auf das Firmament, wo er seine Witze risse. Und auch vernünftig versuchte, zu uns zu sprechen. Einige hätten Stühle mitgebracht. Daraus würde die Menschheit auch klug und weise. Begänne ihrerseits Witze zu reißen. Rubinowitze bildeten sich in großer Menge.

  Die Erfolgsgeschichte also: Du wirst sogar Gott so, wenn du kein Wort verlierst. Dich nie zeigst. Niemals epiphanierst, thedizest. Doch halt: Ist es nicht so, wenn Nachwuchs schlüpft, dass der kämpfen will, die Vorfahren demoralisieren, um seinerseits die gute Welt aufzurichten?

  Auch dass so viele Junge zu Papstbegräbnissen gehen, liegt an der Natur des Schlüpfens schlechthin. Frisch Geschlüpftes will nicht verunsichert werden. Es will stabile Orientierungspunkte, damit es nach Art der Nacktschnecken auf Schleim gut kriechen kann, und erst mit der Zeit denkt sich die Nacktschnecke selber was. Und ihr Schleim versucht die Widerstände zu zerfressen. Es ist in der Kirche also wie auf jedem guten Klo, wo zu lesen steht: Verlasse diesen Ort so, wie du ihn vorzufinden wünscht. Du darfst also der Nachkommenschaft zuliebe die Örtlichkeit nicht perfekt renovieren. Du musst sie gut schlampig hinterlassen, damit die Nachfahren noch was zu tun vorfinden.

  Sind wir also verpflichtet, an "fester Stelle als Pflock" (Jes. 22, 19-23, heutige 1. Lesung) in den Boden gerammt zu verharren, damit die Jungen uns als Sparringpartner benützen können, damit sie daran lernen, indem sie ihre Welt konzipieren und dann mit Wucht und Raffinesse statt uns zu errichten und dann ihrerseits zum Pflock zu werden, damit die, die ihnen dann nachfolgen, sich an ihnen wiederum abarbeiten können?

  Ich hab mich zum Beispiel am Sonntag zu einem kleinen Frühstücksschläfchen hingelegt. Behielt die Socken an, weil ich mich beim Sockenanziehen immer mühsam bücken muss, und dachte mir, kurz, nur kurz, es kommt gleich wer. Bettete mich und schloss die Augen. Doch es ging nicht. Nicht eine Sekunde ließen mich meine Sohlen. Niemals noch war mein Körperlein machtvoller als nun. Es ließ mich keine Sekunde zu mir kommen, um einschlafen zu können.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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