VOM GRILL

Plätze und Gedächtnis

Steiermark Stadtleben | aus FALTER 33/05 vom 17.08.2005

Parkbank: Hier im Stadtpark begann ich eines Mittags, Kafkas "Schloss" zu lesen, und war gefangen. Es wird Abend und Nacht. Ich stieg auf die Bank, stand aufrecht und hielt das Buch in das Licht der Laterne und ins Geflacker von Zeichen und Mücken.

  Sporgasse: Wir Rettungsfahrer schleppen einen Alten die Stiege hinab. Es geht vom zweiten Stock zur Amputation des Raucherbeins. "Endlich kommt er weg, der Oasch, was so wehtuat." Als ich anmerke, dies sei anatomisch ein bisschen daneben, haben wir ihn vor lauter Lachen fast von der Trage geschmissen.

  Grieskai: Ich kam nachts aus dem Augartenkino, als ein Kerl mit dem Feitel vor mir fuchtelte. "I stich di o!" Ich öffnete das Sakko. "Na, endlich." Er fühlte sich missverstanden, klappte den Feitel zu und trollte sich. Depp.

  Taxi: Pardon, ich bin gefragt. "Wooo bist daham, Gsoffener?" - "Weltweit."

  Schauspielhaus: Hier, am Pissoir neben den billigen Plätzen ganz oben, stand ich, damals noch Schüler, und tat, was man am Pissoir tut, und sah - das glaubt mir keiner, wenn ich es erzähle - neben mir sage und schreibe Elias Canetti dasselbe tun. Hat mir eh keiner geglaubt.

  Wickenburggasse: An dieser Ampel hab ich erstmals die Liebste geküsst. Rundum die Welt mag untergehn, von mir aus, aber von diesem Fleck muss jedermann die Finger lassen. Er ist heilig.


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