KUNST KURZ

NICOLE SCHEYERER | Kultur | aus FALTER 34/05 vom 24.08.2005

Was haben die Akropolis, der Saturn, ein grüner Luna-Schmetterling und eine laichende Seeanemone gemeinsam? Sie ergeben das Bildrepertoire der aktuellen Ausstellung von Michael Krebber in der Secession (bis 4.9.). Wer hier nach inhaltlichen Bedeutungszusammenhängen sucht, liegt aber auch schon falsch. Nicht umsonst war der 1954 geborene Weggefährte von Martin Kippenberger vor kurzem bei einer Ausstellung mit dem Titel "Formalismus" vertreten. Bei den acht gerahmten Motiven sowie der Diainstallation (mit nur einem einzigen Bild) soll es vielmehr um die Verhältnisse von "Figur und Grund, Form und Format, Fläche und Raum, Farbe und Gegenstand, Rahmen und Wand" und so weiter gehen, wie Helmut Draxler im Katalog erklärt. Selten war die Secession so leer. Während die letzten Malereiausstellungen von Albert Oehlen, Alois Mosbacher oder Charline van Heyl - trotz aller Vorbehalte gegen das Medium - tief in den Farbtopf griffen, weist Krebber nichts als einen Maler aus. Der Gatte von Cosima von Bonin breitet kopiertes Archivmaterial mit Faltspuren und Eselsohren aus. Mehr gibt er nicht preis; man hat das Gefühl, als würde er einem mit verschränkten Armen abweisend gegenüberstehen.

  Ganz anders im Kaminzimmer bei Terence Koh. Der junge US-Künstler führt in eine wunderliche (Wahn-)Welt aus Gips und Glas. Der vollständig weiße Raum wird nur durch ein rundes Loch beleuchtet; ein Bett und ein Tischchen mit Geschirr geben ihm eine zellenhafte, existenzielle Note. Den Blickfang bilden jedoch die Vitrinenwände voller Skulpturen, die an Cy Twombly denken lassen. In Wirklichkeit handelt es sich um zugegipste Comicfiguren, Papstbüsten, Dinosaurier oder griechische Plastiken, denen bisweilen Beulen oder Penisse aufgepfropft wurden. Mit der Installation "Gone, yet still" ist Koh ein stark atmosphärisches Environment zwischen perversem Spielzimmer und zerbrechlicher Gummizelle gelungen, in dem die Zeit stillzustehen scheint.


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