This is (not) America

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 34/05 vom 24.08.2005

LITERATUR Philip Roth liefert mit "Verschwörung gegen Amerika" einen Beweis für literarischen Möglichkeitssinn: Die USA werden faschistisch. 

Die sogenannte "historische Notwendigkeit" ist, wo sie nicht schlechterdings zur Legitimation von Gräueltaten dient, die im Dienste irgendeines "höheren" Interesses begangen werden, eine im Nachhinein konstatierte, manche würden sagen: konstruierte. A posteriori lassen sich Ereignisse mit großer Überzeugungskraft als unausweichlich darstellen.

  Gegen diese normative Kraft des Faktischen opponiert der Möglichkeitssinn, der unter anderem in der Literatur eine verlässliche Bastion hat. "Was wäre, wenn?" war die Grundformel des genialen Vielschreibers Philip K. Dick (1928-1982), dessen Werk (aus gutem Grund) der Science-Fiction zugerechnet wird. Entgegen der landläufigen Meinung muss diese aber durchaus nicht notwendig in fernen Galaxien und Zeiten verankert sein. Dicks Roman "The Man in the High Castle" etwa spielt 1962 (dem Jahr seines


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