VOM GRILL

Fuck simile

Steiermark Stadtleben | Mathias Grilj | aus FALTER 34/05 vom 24.08.2005

Das Leben wahren Adels ist gekennzeichnet von Strenge sich selbst gegenüber. Harte Matratze, kratzige Unterwäsche und der Schreibtisch picobello aufgeräumt wie ein Stall. Der Pöbel hingegen sumpft bequem und TV-blöd vor sich hin, ohne Ahnung von Geschichte und Struktur. Mit Max Gad gesagt: Dem Primitiven geht der Stoff über die Form.

  Derzeit kommen Herberstein'sche Rechnungen in manch Varianten, Formen, Adressen und Lichtern ans Licht. Kunstwerke! Da mir die Sünde des Neides fremd ist, habe ich wieder Anlass, angesichts all der ausgefuchsten Faksimiles vor dem Adel in die Knie zu gehn: Was für Präzision und Disziplin! Was für Zucht und strenge Eigensucht!

  Ich Chaot habe zeit meines Lebens Trilliarden vergeudet, weil es mir zu blöd war, Spesenrechnungen zu schreiben, Formulare auszufudeln, Kassabons nicht zu verschlampen. Mein Wappenspruch hieß stets: Fuck simile! Die Folge: Habe ich denn ein Schloss zu vererben? Ein Fahrradschloss, hehe. Habe ich denn einen Zoo? Manchmal einen Affen und tags darauf einen Kater. Hehe.

  Allerdings habe ich auch nicht jene mediale Zuwendung, die über meinen Usus und Status meditieren und meine Moral auf die Waage klatschen müsste, um dann nicht ohne Häme festzustellen, was bei Max Gad wie folgt beschrieben wird: Je höher ein Affe steigt, umso mehr zeigt er den Hintern.


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