Vom Grill

Ach, neulich!

Steiermark Stadtleben | aus FALTER 35/05 vom 31.08.2005

Neulich, angeblich beginnen alle guten Geschichten mit neulich - bis auf den Gilgamesch, Lord Jim und die Heilige Schrift, aber jetzt hab ich irgendwie den Faden verloren. Zurück zum Start. Neulich - das war ein Exempel, wie man Zeit schinden kann, wenn man den Faden verliert, nicht jedoch die Liebe seiner Leserinnen.

  Neulich also wollte ich Trauriges tippen: Aus dem Bücherregal in Graz, diese Glosse handelt von Graz, fiel mir unverhofft mein altes Telefonheft entgegen, verstaubt und mit inzwischen verbrauntem Tixo verpickt. Namen und Nummern von Leuten. Ach, man hat sich auseinander bewegt, irgendwie, so geht Leben. Ich rief da und dort an, Karin war dran, hallo und dass es dich noch gibt. Nein, Thomas sei länger schon nicht mehr ihr Mann. Puuuh, wieder eine Scheidung versäumt. Adieu. Bei Franz nachher fehlte Eva, bei Sandra Gerd, so ging's dahin. Keiner hat sonnig geklungen, und bei allen hallerte es irgendwie gespenstisch.

  Wieso geht's euch so, Leute, ihr seid ja sonst keine Esel? Ihr seid feine und liebe Zausel und passt nicht übel zusammen, ich kenne und ich mag euch. Was läuft falsch? Was lief und läuft da falsch mit unserer Organisation von Leben und Alltag und Halt?

  Ich verstaue das speckige Heft wieder da oben, bei Gilgamesch und Joseph Conrad und der Geheimen Offenbarung. Bis zum nächsten tristen Neulich.


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