STANDPUNKT

Ein Schirm für Pröll

Politik | aus FALTER 35/05 vom 31.08.2005

Naturschützer nerven oft gehörig. Etwa, wenn sie die Straße belagern, um arglosen Passanten unter Hinweis auf die drohende Apokalypse ein paar Euro abzuluchsen. Deshalb könnte man es verstehen, wenn einem ständig abgewatschten Umweltminister einmal der Kragen wegen der Ökos platzt, "die Spendengelder lukrieren wollen". Allerdings macht es sich Amtsinhaber Josef Pröll schon sehr leicht, wenn er ausgerechnet jetzt im profil über die alarmistischen "Kriegsgewinnler" schimpft, die ihn wegen des Hochwassers kritisieren. Es ist zwar nicht die Welt, aber immerhin ein Teil Österreichs untergegangen, und dafür trägt auch laut unparteiischen Experten falsche Präventionspolitik eine gewisse Mitschuld. Außerdem: Hätten Umweltschützer nie den Teufel an die Wand gemalt, würden heute in Zwentendorf Atommeiler bullern und sich die Biber der Hainburger Au die Pratzerln am Beton eines Staudamms wundschürfen. Die Politiker sollen nicht so tun, als würden sie keine Katastrophen für eigene PR ausschlachten. Fast jeder durchwatete für Fotos schon irgendeine Flut, auch VP-Minister Pröll kann das. Sein Pressesprecher hat der APA ein Bild vom Hochwassereinsatz geschickt. Abgekämpft blickt Pröll in die Kamera, Wasser tropft von den Ohren und Brauen. Man möchte dem armen Mann direkt einen Schirm reichen. G. J.


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