FERNSEHEN

Medien | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 35/05 vom 31.08.2005

Da ein Anthraxlabor, dort ein radioaktiv verseuchtes Dorf. Und, husch, weiter zum gewaltbereiten Moslem nach Kirgistan. Das ist der Höllentrip des BBC-Reporters Simon Reeve, der die zentralasiatischen Republiken der ehemaligen Sowjetunion bereiste. Seine Reportagen wurden nun unter dem sinnigen Titel "Urlaub im Krisenherd" in drei Teilen vom ORF ausgestrahlt. Man erinnert sich noch an die Reportagen von Peter Scholl-Latour ("Ich kenne meine Afghanen") oder den knurrenden Gerd Ruge. Das war die Welt der kriegerischen Stämme und schnapstrinkenden Slawen. Zum Schaudern war diese Art der Empathie. Vertritt der junge Brite Reeve, der im Outfit an den Oasis-Sänger Liam Gallagher erinnert, also nun den neuen Blick auf fremde Länder? Er ist vom Stil der alten Doku-Eichen genau so weit entfernt wie der TV-Koch Jamie Oliver von Wolfram Siebeck. Am ehesten lässt sich sein journalistischer Zugang mit dem Wort Slumming umschreiben: eine Prise Diktatur, zehn Gramm Terrorismus, ein Liter Ökoalarm. Und fertig ist der Borsch über das globale Elend, garantiert informationsfrei.


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