Kommentar

Der Houellebecq-Effekt

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 35/05 vom 31.08.2005

Das Erscheinen von Michel Houellebecqs jüngstem Roman "Die Möglichkeit einer Insel" (Rezension auf Seite 56) ist ein Medienereignis - da kann man jetzt gar nichts mehr machen. Medienereignisse funktionieren nach dem Prinzip "Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen". Dass nach seinem bislang besten Roman, "Elementarteilchen" (1999), und dem schon in Richtung Selbstplagiat tendierenden "Plattform" (2001) nun auch das jüngste Produkt aus dem Hause Houellebecq für einiges Trara sorgen würde, hatte den Status einer Selffulfilling Prophecy: "Noch bevor das Buch überhaupt im Handel ist, steht schon fest, dass es der Knüller und die Affäre des literarischen Herbstes sein wird", posaunte protzig auch der Spiegel.

Das wäre alles auch passiert, wenn Houellebecq einfach einen neuen Roman veröffentlicht und ansonsten gar nichts gemacht hätte - was dann schon wieder als subtile Strategie zur Steigerung von Aufmerksamkeit durch die Produktion des Anscheins von Aufmerksamkeitsvermeidung


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