KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 35/05 vom 31.08.2005

Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, nach der Ausstellung von Bruce Nauman im Mumok (bis 18.9.) den belebten Hof des MuseumsQuartiers zu betreten. Irgendwo unter den Gastgärten und spielenden Kindern liegt eine sargförmige Betonkiste vergraben, aus deren leerem Inneren Bilder und Sound in das Museum übertragen werden. Die Mumok-Neuerwerbung "Audio-Video Underground Chamber" (1972/74) ruft Vorstellungen von Lebendig-begraben-Sein, Klaustrophobie, Einsamkeit genauso hervor wie Szenarios von Überwachung und Kontrollmacht. Wir können diesen Raum nicht betreten. Am Videobild ist nicht einmal seine Größe zu ermessen. Nur der mediatisierte Blick dringt in die vergrabene Kammer ein, bloß die Einbildung macht sich dort breit. Naumans schlanke Anordnung steht im krassen Gegensatz zum üppigen Materialverzehr des Nouveau Réalisme. Das Museum gibt derzeit einen Überblick über seinen Sammlungsschwerpunkt: Daniel Spoerris Tischplatten samt Essensresten, Niki de Saint-Phalles Nana-Figuren, Plakatabrisse von Mimmo Rotella, Maschinen von Jean Tinguely und Arbeiten von heute weitgehend vergessenen Künstlern sind zu sehen. Die 1960 ausgerufene Kunstrichtung findet sich besonders schön in dem "Koffer" von Spoerri vertreten, der Arbeiten seiner Kollegen in einem tragbaren Museum sammelte.

  Der Verein schnittpunkt macht sich über Präsentationsformen in Museen und Ausstellungen Gedanken. Hochkarätige Führungen und Diskussionen werden dafür ebenso veranstaltet wie Reisen: Von 20. bis 25. Oktober findet eine Tour zu Institutionen in Bukarest und Cluj statt. Außerdem ist vor kurzem die erste Publikation erschienen. Der engagierte Aufsatzband "Wer spricht?" behandelt ausführlich theoretische und praktische Fragen der Kunstvermittlung und gibt einen guten Überblick über die diesbezüglichen Verhältnisse in Wiener Museen.

schnittpunkt (Hg.): Wer spricht? Autorität und Autorschaft in Ausstellungen. Wien 2005 (Turia + Kant). 220 S., E 18,-


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