Fragen Sie Frau Andrea

Das Bärendienst

Stadtleben | aus FALTER 35/05 vom 31.08.2005

Liebe Frau Andrea,

neulich attackierte der Wiener FPÖ-Obmann und Schriftsteller Heinz Christian Strache unsere Frau Justizministerin. Er meinte, sie vertrete linkes und kommunistisches Gedankengut und solle zurücktreten. Wörtlich meinte Herr Strache laut FPÖ-Homepage, Gastinger würde der Bevölkerung mit dem Rücktritt "ein (sic!) Bärendienst erweisen". Nun rätseln wir. Was ist denn das jetzt, ein "Bärendienst"?

Franko Killen, Oberwölz

Lieber Franko,

die Strache zugeschriebene Passage "(...) Diese Justizministerin ist rücktrittsreif: Damit erwiese sie der Republik und ihren anständigen, schutzbedürftigen Menschen ein Bärendienst" ist inzwischen nicht mehr online. Das wundert nicht, insinuiert das Zitat doch genau das Gegenteil dessen, was der Text postuliert, dass nämlich der Rücktritt und nicht die Politik Gastingers ein Bärendienst sei. Ungeachtet der Autorenschaft der holprig verwendeten Redewendung lässt sich der Ursprung des Bärendienstes feststellen. Die Redensart geht auf die Fabel "L'ours et l'amateur des jardins" des französischen Dichters Jean de La Fontaine (1621-1695) zurück. Darin werden ein Hochgebirgsbär und ein greiser Gärtner Freunde und versorgen einander mit Obst und Wild. Eines Tages entdeckt der Bär eine lästige Fliege auf der Nase seines schlafenden Freundes. Rührig greift er sich einen Pflasterstein und schleudert ihn auf die Fliege. Die Fliege ist verscheucht, der Gartenfreund tot. Voilà: ein Bärendienst.

dusl@falter.at


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