VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 36/05 vom 07.09.2005

Vor 20 Jahren war alles gleich. Es gab ein Hochwasser, das die Feuilletonisten betrübte. Es gab ein Hundekotproblem. Beidem widmete der Falter umfängliche Betrachtungen. Zum Hochwasser hieß es: "Wie sich das Schwemmgut in den Gärten und Feldern ablagerte, blieb in den Käschen der Kommentatoren tiefe Niedergeschlagenheit zurück. Sie hatten nämlich erkannt, dass die Natur ab sofort zurückschlägt. Wir sind zu weit gegangen, jammerten sie, haben den alten, lange schlummernden Drachen zu lange gereizt, ihm erst nur Kratzer, dann tiefere und tiefere Wunden beigebracht, jetzt ist er erwacht und fängt an, sich zu regen, noch speit er Wasser, bald wird es Feuer sein, endlich wird er uns alle verschlingen." Soviel zur ungebändigten Natur. Zum ungebändigten Hundekot nächste Woche mehr.

  Es war aber auch alles anders, 1985. Da gab es nämlich den Weinskandal. Christian Reder interviewte dazu den Exweinhändler Rudi Weithofer, der schätzte, dass damals rund 35 Prozent allen österreichischen Weins Kunstwein waren. Er sagte: "Der internationale Markt für österreichischen Wein ist zumindest für ein Jahrzehnt kaputt, man könnte sich daher gerade jetzt das Antizyklische überlegen. Das Interesse an anständigem Wein müsste eigentlich steigen, die Leute müssten doch von dem schlechten Wein endlich genug haben. Mit Millionen allein ist es aber nicht getan. Die wirkliche Weinkultur gibt es nur über unzählige unbezahlte Arbeitsstunden, also im Familienbetrieb." Heute ist klar: Der österreichische Wein hat die Chance seiner Krise genutzt. Manchmal gibt es sie tatsächlich, die Wende zum Guten, mit Ansage. A.T.


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