DER ABONNENT

Notizen zu einem zwiespältigen Wesen

ARMIN THURNHER | Extra | aus FALTER 38/05 vom 21.09.2005

Im Barock, auch in Zeiten der Aufklärung, war es noch üblich, Bücher zu subskribieren. Man bestellte eine gewisse Menge von Exemplaren und wurde dafür mit der Anzahl der bestellten Bücher als Abonnent hinten im Buch vermerkt; schließlich hatte man mit seiner Bestellung das Erscheinen des Werks erst möglich gemacht. Vermutlich wussten die meist vermögenden Besteller nicht immer, wen oder was sie da mit in die Welt brachten; in der Regel wird es ihnen klar gewesen sein, sodass eine gewisse Mitverantwortlichkeit das Aufscheinen ihres Namens wohl rechtfertigte. In ähnlicher Weise machten Subskribenten die Konzerte unserer Klassiker, zum Teil auch deren Kompositionen möglich.

  Je anonymer der Abonnent, und mit zunehmender Anonymisierung ist umso mehr die geschlechtsneutrale Nennung erheischt, je anonymer also der Abonnent oder die Abonnentin werden, und je weniger sie mit der Entscheidung darüber zu tun haben, was auf dem Programm steht, was in der Zeitung steht, desto mehr müssen

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