DER NEUE KEHLMANN

Bud Gauß und Terence Humboldt

KLAUS NÜCHTERN | Kultur | aus FALTER 38/05 vom 21.09.2005

Alexander von Humboldt (1769-1855) und Carl Friedrich Gauß (1777-1855) darf man sich ein bisschen so vorstellen wie Bud Spencer und Terence Hill der deutschen Wissenschaftsgeschichte. Das Paar, das in Daniel Kehlmanns jüngstem, soeben erschienenen Roman "Die Vermessung der Welt" das Weltbild des 19. Jahrhunderts aufmischt, ist jedenfalls gut ge- und erfunden: Zwei Protagonisten, die vom Autor mit sichtlichem Vergnügen an mitunter durchaus slapstickhafter Zuspitzung als kontrastierende Charaktere angelegt sind und ihre so verschiedenen Lebensläufe doch einem gemeinsamen Wesenszug verdanken - dem Willen zum Wissen, dem alles untergeordnet wird.

  Auf der einen Seite der aus niederem, aber wohlhabenden Adel stammende prüde und weitgereiste Humboldt mit seinem heldenhaften Hang, das Phänomen des elektrischen Stroms am eigenen Körper zu erkunden; auf der anderen Seite der aufgrund offenkundiger frühkindlicher Genialität den ärmlichen Verhältnissen des Elternhauses entkommene Gauß,

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