Fresser, Ficker, Furzer

LEOPOLD FEDERMAIR | Kultur | aus FALTER 38/05 vom 21.09.2005

LITERATUR Wenn in Stalingrad geschossen wird, fällt in Wien ein Motorradl um: Franzobels biedermeierlich-anarchisches Opus magnum "Fest der Steine". 

Von niemandem soll man verlangen, was er nicht geben will oder kann, auch nicht vom oberösterreichischen Dichter Franzobel. "Weltliteratur" zum Beispiel, einen Schelmenroman, eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts oder einen Argentinien-Roman: Wenn wir das erwarten, werden wir enttäuscht. Wenn wir dagegen einen Heimatroman erwarten, die Parodie eines historischen Romans, ein Buch voll Slapstick, Klamauk, biedermeierliche Anarchisieren, ein Schlaraffenland der Fresser, Ficker und Furzer als Utopie, dann werden wir zu unserer Zufriedenheit bedient.

  Nach den "Vergnügungsgedichten", Franzobels letzter Publikation, dürfen wir nun ein fettes, fülliges Stück Unterhaltungsliteratur genießen. Ehrliches Handwerk, kein Etikettenschwindel: Hereinspaziert in die Franzobel'sche Wunderkammer! Eine Zirkusnummer folgt auf

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