Helden der Wurstsemmel

Stadtleben | WOLFGANG PATERNO | aus FALTER 38/05 vom 21.09.2005

TRADITION Das kleine Geschäft ums Eck sperrt zu, der lokale Lebensmittelanbieter weicht dem Supermarkt. Widerstand leisten die Wagners. Die Greißlerfamilie kämpft seit beinahe einem halben Jahrhundert tapfer gegen die Zeitenläufe an - und gegen das eigene Verschwinden. 

Es braucht nicht unbedingt verwinkelte, komplizierte Gedankengänge, um eine schöne Chronik der Zeit zu erstellen. Es geht auch so, die Wurstsemmelgleichung lautet ganz einfach: Früher, da war die hohe Zeit des Wurstsemmel, da war Semmel, Extra, Gurkerl. Heute ist die ordinäre Wurstsemmel vom Aussterben bedroht.

  Feinkost Wagner, Johannesgasse 27, ein beliebiger Wochentag um 1970, so gegen neun Uhr vormittags. Junge Frauen mit langen Einkaufslisten stellen sich vor der Wursttheke in einer Reihe an. Dahinter mühen sich die Beschäftigten des Traditionsgreißlers mit den Bestellungen ab: Wurstsemmel mit Fächergurkerl. Wurstsemmel mit Gurkerlscheiben. Leberkässemmel ohne Gurkerl. Leberkässemmel mit Pfefferoni.


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