Standpunkt

Räudige Rote?

Politik | G. J. | aus FALTER 39/05 vom 28.09.2005

Oskar Lafontaine mag ein eitler Egozentriker sein, die PDS ein Haufen von Wendehälsen, die sich insgeheim nach der DDR sehnen. Und der Grazer KPÖ-Stadtrat Ernest Kaltenegger ist vielleicht sympathisch; dennoch tritt er für eine Partei an, die sich von der Sowjetunion erst lossagte, als Demonstranten längst Brocken aus der Berliner Mauer hackten. Es gibt viel auszusetzen an den neuen alten Linken, die bei Wahlen reichlich Stimmen abräumen (werden). Ihre Gegner halten den Außenseitern diese Charakterdefizite vor - und übersehen dabei gern die Ursachen ihres Erfolges. Denn die Tiefroten reüssieren nicht bloß deshalb, weil sie, wie etwa Stefan Janny im profil meint, auf ein "diffuses Milieu von Globalisierungsgegnern" bauen, das gegen einen "angeblich schrankenlosen Kapitalismus" wettert. Das Unbehagen ihrer Wähler hat reale Gründe. Auch wenn es abgedroschen klingt: Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter, die Zahl der Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger steigt. In Deutschland boten Lafontaine & Co als einzige Partei eine Alternative zum Rückbau des Sozialstaates an - und gewannen. In Österreich werden es die Linken vorerst nicht so leicht haben. Die SPÖ beteuert schließlich, sie würde alles grundlegend anders machen. Wirklich bewiesen hat sie das Ende der Neunziger, als sie noch regierte, allerdings nicht.


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