Relativ linke Mehrheit

Politik | Robert Misik | aus FALTER 39/05 vom 28.09.2005

DEUTSCHLAND Die Linke hat die Mehrheit, die Konservativen stellen die Kanzlerin. Paradox, aber beim heutigen Stand wahrscheinliches Resultat des Koalitionspokers. Doch langsam bewegen sich auch SPD, Grüne und Linkspartei aufeinander zu.

Es war nur ein kurzer Augenblick, in dem das Volk, der Demos, seinen professionellen Deutern, den Demoskopen, das Heft aus der Hand nahm. Der Wahltag wurde dann zum schwarzen Tag für die Meinungsforschung, aber auch für sie galt, wie in Bert Brechts "Lied von der Moldau": "Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag." Jetzt sind sie wieder obenauf, die Meinungsbefrager, und die Akteure des Berliner Machtpokers studieren täglich zum Frühstück ihre aktuellen Werte. Angela Merkel kann daraus ablesen, dass eine Mehrheit eine große Koalition unter ihrer Führung will, und Gerhard Schröder, dem Amtsinhaber, wird die Nachricht ins Haus geliefert, dass seine Machtspielchen nicht so gut kommen und vor allem sein Auftritt vom Wahlabend nicht. "War


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