FERNSEHEN

Medien | Nina Weissensteiner | aus FALTER 39/05 vom 28.09.2005

Am Todestag von Simon Wiesenthal zeigte der ORF vor, was ein Öffentlich-Rechtlicher vermag, wenn er will. Während ATVplus "die ersten Nachrichten des Landes" noch immer dem deutschen Koalitionskrimi widmete, stellte der ORF um 20.15 Uhr sein Programm auf den Kopf, um seinen Sehern noch einmal nahezubringen, worauf es dem so genannten Nazi-Jäger wirklich ankam: Gerechtigkeit statt Rache. In einem Porträt von Andreas Novak sprach der hochbetagte Wiesenthal, der insgesamt zwölf Konzentrationslager überlebt hatte, in minutenlangen Sequenzen über das Unfassbare. Wie die Nazis ihn und einige Mithäftlinge in den letzten Kriegstagen zwangen, Massengräber auszuheben. Wie ihn die NS-Schergen mit hunderten anderen Menschen in die Todeszüge verfrachteten und nach Mauthausen transportierten. Ohne unnötige Effekthascherei hielt die Kamera auch jene Passagen fest, in denen der Holocaust-Überlebende beim Erzählen an die eigenen Grenzen kam. Die Dokumentation, die eine knappe Stunde dauerte, gehört zu jenen im Gedenkjahr, die sich durchaus die doppelte Sendezeit verdient hätten.


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