SPIELPLAN

Kultur | PETER FUCHS | aus FALTER 39/05 vom 28.09.2005

Auf der Bühne in der Drachengasse steht ein Mikrofon und tut so, als stünde es auf der Straße. Passanten greifen zu, um etwas von sich zu erzählen. In Severin Groebners neuem Soloprogramm sind das "Lauter liebe Leute" (bis 15.10.). Wie der Fleischhauer, in dessen Familie untreue Ehefrauen auch mal in die Wurst kommen. Oder der Kiffer, der sich ein Leben als Diktator breitest ausmalt. Kurzweilig schlüpft Groebner in immer neue Rollen, zeichnet mit Sprachwitz und jeder Menge Gesang die vielen Charaktere. Aber Groebner wird müde gegen Ende des Programms. Die Kurzweiligkeit bekommt Längen, jede Szene ist zwar witzig, aber auch beliebig. Darf man sich für das nächste Mal etwas wünschen? Bitte einen Passanten am Mikro festhalten und ein ganzes Programm lang plaudern lassen. Am besten die dicke Frau, die der schlanke Groebner hervorragend übergewichtig darstellt. Ihre melancholische Strategie, beim Kuchenbestellen in der Konditorei nicht aufzufallen, macht Appetit auf mehr.

Wieder ein Mikrofon auf der Bühne, diesmal im Hundsturm, der neuen Spielstätte des Volkstheaters. Das Mikro schnappen sich Promis, die schon öfter unangenehm aufgefallen sind. Arabella Kiesbauer berichtet von Ihrem Gefängnisaufenthalt, Andreas Goldberger plaudert aus seinen Memoiren. Ist natürlich Fake, nur die Zitate sind authentisch. "Vom Feinsten" heißt die Serie, "www.wienwirdweltstadt.at" die 2. Folge. In dieser Travestie mimen die Schauspieler Promis, konterkarieren die Zitate mit Songs, und alles wirkt voll witzig gemeint. Kommt aber bleiern. Nicht nur weil jede Pointe gnadenlos als Pointe angekündigt und exekutiert wird. Es rennen auch zu viele Insiderschmähs übers Theater. Dazu gibt es ironieresistentes Kollegenbashing - Klaus Maria Brandauer als Alkoholiker. Der Firefox-Browser zeigt eine Fehlermeldung: "www.wienwirdweltstadt.at could not be found. Please check the name and try again." Kurz kam sogar Mitleid mit Frau Kiesbauer auf. Echt bös.


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