Lob des Zwetschkenbaums

Kultur | ERICH KLEIN | aus FALTER 39/05 vom 28.09.2005

LYRIK Nachdem Michael Donhauser die Natur wieder entdeckt hat, holt er nun das Volkslied in die zeitgenössische Lyrik zurück. 

Schon die autobiografische Selbstauskunft kennzeichnet den Lyriker Michael Donhauser als Außenseiter: "Ich wurde am 27. Oktober 1956 in Vaduz, im Fürstentum Liechtenstein geboren, doch nicht als Bürger dieses Staates." Die Aufzählung der Lebensstationen - Volksschulbesuch, Gymnasium, 1976 Übersiedlung nach Wien, wo Donhauser Romanistik studiert und mit einer Arbeit zu Baudelaire-Übersetzungen promoviert - kippt scheinbar unmotiviert in eine Aufzählung beliebiger Details: die Stelle in einem Pariser Park, eine Bar, das Gesicht einer unbekannten Person. Das Leben des Dichters wird zum Gedicht, Fremdheit sein Daueraufenthalt. Obschon Michael Donhauser mit dem Manuskripte-Preis (1990), dem Christine-Lavant-Preis (1994) und heuer sogar dem Ernst-Jandl-Preis ausgezeichnet wurde, hat er in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur den Status eines Outsiders.

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