NÜCHTERN BETRACHTET

Der Mittwoch des weißen Hemdes

Kultur | aus FALTER 39/05 vom 28.09.2005

Toll, was man mit ein bisschen Kleidung alles machen kann. Man braucht nur einmal ein weißes Hemd und ein schwarzes Sakko anzuziehen und die hegemonialen Jeans wegzulassen, schon wird man von Kolleginnen und Kollegen gefragt, ob man heute "was Offizielles" vorhabe. "Nein, ich wollte nur einmal zum Ausdruck bringen, dass es für mich täglich ein Fest ist, mit euch zusammenarbeiten zu dürfen." Das hätte ich jedenfalls gesagt, wenn es mir rechtzeitig eingefallen wäre. Die Wahrheit ist, dass der vergangene Mittwoch eindeutig ein Weißer-Hemd-Tag gewesen ist. Schon am Dienstagabend wusste ich: Morgen weißes Hemd. Es hätte auch ein Anzugtag oder ein Jeansjackentag, ein Tag-der-kühnen-Farben oder ein Legerer-Leinen-Tag werden können, aber mein innerer Outfitbarometer war eben auf weißes Hemd geeicht - und zwar in der Schwarzwoll-Kombi. Ich weiß, dass Typen wie ich den Untergang des römischen Imperiums verursacht haben, und bewundere die schlichte Coolness jener Leute, die - so wie


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