VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 40/05 vom 05.10.2005

In diesen Tagen beginnt der letzte von Peter Oswald verantwortete steirische herbst, und es trifft sich gut, dass Oswald, damals Musikkritiker dieses Blattes, ein Interview mit dem berühmten österreichischen Komponisten Ernst Krenek machte, der am 23. 8. 1900 in Wien geboren ist, also vor 20 Jahren 85. Geburtstag hatte (gestorben ist er am 23. 12. 1991 im kalifornischen Palm Springs).

  Das Gespräch drehte sich um Karl Kraus ("wir sind sehr viel im Kaffeehaus gesessen. Ich habe seine Anschauungen geteilt"), um Theodor W. Adorno ("Ich habe ihn 1923 in Frankfurt kennen gelernt, in der Oper. Er ist neben mir gesessen und hat dauernd auf mich eingeredet. Er war ein bisschen lästig") und über Arnold Schönberg. Österreich hatte sich für den emigrierten Juden Krenek nach 1945 genauso wenig interessiert wie für die meisten Emigranten; später stellte man ihm immerhin eine Wohnung in Schönbergs Mödlinger Haus zur Verfügung. Dort fand auch das Falter-Gespräch statt. Krenek über Schönberg: "In diesem Haus habe ich ihn zum ersten Mal 1922 getroffen. Ich wollte Berühmtheiten kennen lernen und wir haben dann mehr als zwei Stunden darüber diskutiert, wer der größere Komponist sei, Schubert oder Beethoven. Das hat gar keinen Sinn gehabt, absolut nicht. Ich weiß nicht, wer gewonnen hat. Nachher habe ich mir überlegt: Wieso stellt sich der Schönberg - er war ja über 25 Jahre älter als ich - mit einem Anfänger wegen eines solchen Blödsinns hin?" Die Antwort: Schönberg "wollte immer Recht behalten". Schönberg war übrigens für Beethoven, teilt eine Fußnote des Interviewers mit. A.T.


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