Ab ins Wettcafé!

MATTHIAS MARSCHIK | Vorwort | aus FALTER 40/05 vom 05.10.2005

KOMMENTAR Die Ablösung von Hans Krankl steht für einen schleichenden Paradigmenwechsel im österreichischen Fußball.

Der "Hans" ist nicht mehr Chef. Mit Hans Krankls Ablösung als Teamchef verschwindet die große Geste, Hand auf dem Herzen und dem Staatswappen, die nichts weniger symbolisierte, als dass der Wiener Fußball letztlich die authentische und legitime Repräsentation der österreichischen Nation sei. Hinter der Absetzung Krankls steckt freilich eine tiefere Logik.

  Fußball ist ein Produkt der Moderne. Bürgerliche Ideale von Leistung und Fairness, von Reglementierung und Gemeinschaft haben sich im Fußballsport aufs Schönste zusammengefügt und alle Anfeindungen von sozialdemokratischer, real- und sogar nationalsozialistischer Seite überdauert. Fußball war des (Klein-)Bürgers liebstes Kind und ein proletarisch konnotierter Sport, weil er den Arbeitern ein bürgerliches Aufstiegsszenario bot, das sich im Berufsspielertum realisierte. Fußball hat sich in Wien und nach

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