STANDPUNKT

Engel sind jetzt rot

Politik | aus FALTER 40/05 vom 05.10.2005

Kommunisten überall. Nicht nur in Deutschland, jetzt auch bei uns. Die ÖVP kann es nicht fassen, dass ausgerechnet die vor kurzem noch stalinistische KPÖ sechzig Jahre nach Kriegsende wieder in eine Landesregierung einziehen wird. Österreichs Christdemokraten sollten dieser Tage wohl auch zur Schwesterpartei nach Bayern blicken. Dort ist eine Debatte über die gottgefällige Ausrichtung der CSU im Gange. Auch die fuhr ja dank Kirchhof-Flat-Tax, Kopfpauschalen und Ossi-Pöbeleien ihr schlechtestes Ergebnis ein. Sind die christlichen Parteien zu ketzerisch, zu unsozial geworden? Verlieren sie wie die Kirchen ihr Volk? Bayerns Innenminister Günther Beckstein verkündete jedenfalls, Christlichsoziale dürften "hin und wieder auch fragen, was Jesus dazu sagen würde, und nicht immer nur, was Friedrich Hayek davon hielt" (Ökonom Hayek gilt als Vordenker des Neoliberalismus). Mehr Jesus wagen? Amen! Der rote Engel Kaltenegger machte es auf seine Art erfolgreich vor, verteilte sein eigenes Geld an die Armen. Eine beachtliche Zahl jener, die den Sozialstaat zum Überleben brauchen, für die ein starker Staat kein Übel, sondern Überlebensnotwendigkeit ist, spricht solcher Populismus an. Sie haben die Säulenheiligen der New Economy satt, können die KHGs nicht mehr riechen. Die ÖVP darf das nicht ignorieren, wenn sie weiter Volkspartei bleiben will. Das Volk will es nämlich fromm, aber auch ein bisserl kommunistisch. F. K.


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