"Das sieht ja kein Neger"

Politik | GERALD JOHN | aus FALTER 40/05 vom 05.10.2005

WIENER WAHL Es geht am 23. Oktober ja doch um etwas: Innerhalb des Gürtels könnte ein halbes Dutzend Bezirke die Farbe wechseln. Rote, Schwarze und Grüne matchen sich um die Bobos und das Bürgertum. 

Ein sanfter Druck, und das Eis ist gebrochen. Mit beiden Händen wärmt Ursula Stenzel die Finger der Pensionistin, als diese ihr Seelenleid klagt. "Der Bürgermeister hat so viele eingebürgert, damit er Stimmvolk hat", jammert die Dame im grauen Kostüm. Da kann Stenzel beruhigen: "Die Innenstadt bleibt uns." Das Muaterl bekommt noch ein Polaroid von sich und der Kandidatin. Und Ursula Stenzel am 23. Oktober eine Stimme mehr.

  "Sehen Sie, die Leute sind nicht so blöd", sagt Stenzel zufrieden, und schon setzen sich Madame und ihr Gefolge wieder in Bewegung. Über den Neuen Markt schreitet die Kandidatin, himmelblaues Jacket, Perlenkette und unverwüstliche Föhnwelle. An ihrer Seite, perfekt abgestimmt, die Pressesprecherin in Rosa. Vorne weg drei mit Sofortbildkameras bewaffnete


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