Gegen die Kleinbahn

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 40/05 vom 05.10.2005

PERFORMANCE Der Regisseur Stefan Kaegi inszeniert die Schweiz als Naturkulisse: Sein Modelleisenbahn-Stück "Mnemopark" gastiert im Tanzquartier. 

Nein, Stefan Kaegi hat als Bub keine Modelleisenbahn besessen, und erwachsene Menschen, die sich diesem Hobby verschrieben haben, waren für ihn immer der Inbegriff des Biederen. Dass der Regisseur für seine Performance "Mnemopark" eine riesige Modelleisenbahnlandschaft (37 Meter Gleis!) auf die Bühne bauen ließ, hat also nichts mit kindischem Spieltrieb zu tun. Das Modell (1:87) ist eine Metapher für den Staat, in dem Kaegi vor 33 Jahren geboren wurde: die Schweiz.

  "Seit ich nicht mehr dort lebe, geht's mir so wie jedem Ausländer, der in die Schweiz kommt: Man hat das Gefühl, in einer Modellwelt anzukommen." Vieles in diesem schönen Land ist bloß Kulisse, hinter so mancher idyllischen Berghütte verbirgt sich ein getarnter Betonbunker. Auch die Kühe, die auf satten Almwiesen grasen, sind - so Kaegis These - Teil einer Inszenierung.


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