Ein Weinkrampf

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 40/05 vom 05.10.2005

THEATER Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs: das Fassbinder-Stück "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" im Burgtheater-Kasino. 

Mitten in der Hochblüte der sexuellen Revolution wurde in Frankfurt am Main ein Stück namens "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" (1971) uraufgeführt. Die 35-jährige Titelheldin, eine erfolgreiche Modedesignerin, liegt die meiste Zeit im Bett, terrorisiert ihre stumme Dienerin Marlene und leckt ihre Wunden, die sie sich auf dem Schlachtfeld der freien Liebe geholt hat. Ihr erster Mann ist tödlich verunfallt, von ihrem zweiten Gatten hat sie sich gerade scheiden lassen, weil sie nur noch Ekel vor ihm empfunden hatte ("Er stank nach Mann, wie Männer eben stinken"). Das aktuelle Objekt der Begierde ist folgerichtig weiblich: Petra verliebt sich obsessiv ("Mir tut alles weh, wie ich dich lieb hab") in die 23-jährige Karin Thimm, wird von dieser aber nur ausgenutzt. Am Ende ist sie mit den Nerven am Ende und um eine Erfahrung reicher: "Man muss


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