Fragen Sie Frau Andrea

Sankt Marx

Stadtleben | aus FALTER 40/05 vom 05.10.2005

Liebe Frau Andrea,

hat unser bekanntes Wiener St. Marx etwas mit dem noch bekannteren gleichnamigen Russen zu tun? Wurde der etwa während der Besatzungszeit heilig gesprochen? Das wäre ein echtes Hindernis für mich, dem katholischen Glauben beizutreten und mich näher mit der Geschichte der anderen Heiligen zu befassen.

  So verbleibe ich mit der aufrichtigen Bitte um spirituelle Aufklärung,

Helmuth Jellinek, Wien

Lieber Helmuth,

der Name des heutigen Stadtteils St. Marx im dritten Bezirk geht auf ein mittelalterliches Siechenhaus für Pestkranke und Aussätzige zurück, das hier in bewusster Abgeschiedenheit bestand und dessen frühgotische Kapelle dem Evangelisten Markus - wienerisch Marx - geweiht war. Krankenhaus und Kapelle fielen dem Reformeifer Kaiser Josephs II. zum Opfer, ein biedermeierlicher Friedhof existiert heute noch und ist für das angebliche Grab Mozarts berühmt. Ein Mann namens Marx ist zwar zu Zeiten der Sowjetunion in Russland in hohem Ansehen gestanden, er war aber ein Deutscher aus Trier und hieß mit Vornamen nicht Sankt sondern Karl. Zusammen mit einem anderen Deutschen heiligen Namens, einem gewissen Herrn Engels, machte er sich um die frühe Arbeiterbewegung verdient. Wegen Karl Marx und Friedrich Engels dem katholischen Glauben beizutreten wäre an sich kein Hindernis, eine besondere Bewunderung für die beiden Herren wird Ihnen dort allerdings nicht entgegenschlagen.

dusl@falter.at


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