Eine öffentliche Frau

Extra | GERHARD MIDDING | aus FALTER 40/05 vom 05.10.2005

SPECIAL Mit ihrem skandalös modernen Spiel verführte Ruan Lingyu das Publikum und die Kritik gleichermaßen. 1935 wurde die chinesische Stummfilmdiva von der Boulevardpresse in den Tod gehetzt. 

Ehrfürchtig, fast ein wenig eingeschüchtert, weicht die Kamera vor ihren Schritten zurück und lässt sich zugleich ins Schlepptau nehmen von deren Entschlossenheit. Ihre Verzweiflung und Machtlosigkeit setzt die namenlose Heldin aus "Shen nu" (The Goddess, 1934) in Wut und Empörung um: Man spürt augenblicklich, dass die Unterwürfigkeit für sie keineswegs ein selbstverständlicher Zustand ist.

  Ruan Lingyu unterlief in ihren Filmen sacht, aber couragiert das Rollenbild der opferwilligen Frau. Beim täglichen Überlebenskampf sind ihre Heldinnen auf sich allein gestellt, kaum je geraten sie an einen Mann, auf den sie sich verlassen könnten. In "Xiao Wanyi" (Little Toys, 1933) verkörpert sie eine Frau aus der Provinz, die in der Stadt zur Kleinunternehmerin wird, in "Xin Nuxing" (New Women,


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